CITY HALL
US 2020, 272', DCP, E/d. Regie Frederick Wiseman. Drehbuch Frederick Wiseman.
Schauplatz: Boston, Massachusetts. In diesem viereinhalbstündigen Porträt kehrt Wiseman zurück in seine Heimatstadt, um hinter die Kulissen des riesigen Getriebes zu blicken, ohne das das tägliche Leben nicht möglich wäre: Der Stadtverwaltung und ihren Sprachrohren in den Bezirken.
«In den Medien wird oft geunkt, die Demokratie der USA stecke in der Krise, wenn nicht in einer Todesspirale; die extreme Polarisierung der Parteien mache das Land handlungsunfähig. Der vielbeschworene Streit zwischen progressiv-woken Demokrat:innen und halsstarrig-konservativen Republikaner:innen kümmert die meisten Amerikaner:innen aber wenig. Den Alltag prägen jene realen demokratischen Institutionen, die das Land in Gang halten und sich mit wechselndem Erfolg um die Anliegen der Bürger:innen bemühen.
Das Klein-Klein der Demokratie hält Frederick Wiseman in City Hall fest. Dieses Stadt-Fresko ist eine Art Summa seines bisherigen Schaffens, denn darin tauchen sowohl Institutionen auf, die er früher porträtiert hat, als auch vertraute Themen wie körperliche Beeinträchtigung, Wohnungsnot, Rassismus und soziale Benachteiligung. (…) Wie immer verzichtet Wiseman auf einen Off-Kommentar. Er stürzt das Publikum mitten in Reden und Debatten und zeigt diese teilweise in einer Ausführlichkeit, die das immanent Langwierige demokratischer Prozesse spürbar macht. City Hall verlangt Sitzleder, belohnt die Ausdauer des Publikums aber mit einmaligen Einblicken in die Politik auf Bürger:innenebene.» Michel Bodmer, Filmpodium Zürich
«Die Langsamkeit von City Hall ist eine Wohltat, der Schnitt elegant, klug und unaufdringlich. Wiseman muss niemandem beweisen, was er gesehen hat, sondern lässt seine ruhigen Aufnahmen für sich sprechen. Dabei vereinen sich ausführliche Passagen, in denen wir unmittelbar an Gesprächen und Diskussionen teilnehmen, mit kurzen Stimmungsbildern, die mal der Architektur, mal dem unscheinbaren Alltag verschrieben sind. Abseits der aufschlussreichen Einblicke, die Wisemans Arbeit liefert, entzückt vor allem die natürliche Poesie, die er aus der Umgebung – etwa Strassengeräuschen – zieht.» Matthias Hopf, dasfilmfeuilleton.de





